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Das Yoni-Lexikon A–Z
Über 42 Begriffe rund um Yoni, weibliche Anatomie, Sexualforschung und Tantra – verständlich erklärt und untereinander verlinkt.
A
Achtsamkeit
auch: Mindfulness
Die Fähigkeit, den gegenwärtigen Moment bewusst und ohne Bewertung wahrzunehmen. In der Yoni-Massage ist Achtsamkeit das zentrale Prinzip: Es geht nicht ums Erreichen, sondern ums Spüren dessen, was gerade ist.
B
Bartholin-Drüsen
auch: Glandulae vestibulares majores
Zwei erbsengrosse Drüsen beiderseits des Scheideneingangs. Sie geben bei Erregung ein Sekret ab, das den Scheideneingang befeuchtet und so zur natürlichen Lubrikation beiträgt.
Beckenboden
auch: Musculus levator ani, Pelvic Floor
Ein mehrschichtiges Muskel- und Bindegewebsnetz, das den Beckenraum nach unten abschliesst und die Beckenorgane trägt. Ein wahrnehmbarer, elastischer Beckenboden spielt eine große Rolle für Kontinenz, Stabilität und sexuelles Empfinden – unter anderem über den PC-Muskel.
C
Chakra
auch: Energiezentrum
Im tantrischen und yogischen Weltbild eines von mehreren feinstofflichen Energiezentren entlang der Wirbelsäule. Das Wurzel- und das Sakralchakra werden mit Lebenskraft, Sinnlichkeit und der Kundalini-Energie in Verbindung gebracht. Mehr dazu unter Geschichte & Tantra.
Cortisol
auch: Stresshormon
Ein zentrales Stresshormon der Nebennierenrinde. Chronisch erhöhte Werte belasten Körper und Psyche. Massage kann den Cortisol-Spiegel messbar senken (Field et al., 2005).
Crura (Klitorisschenkel)
auch: Klitorisschenkel
Die beiden 'Schenkel' der Klitoris, die vom sichtbaren Teil nach innen ziehen und sich entlang der Schambeinäste spannen. Sie bestehen aus Schwellgewebe und können mehrere Zentimeter lang werden – ein großer Teil der 'inneren Klitoris'.
D
Damm (Perineum)
auch: Perineum
Der Gewebebereich zwischen Scheideneingang und After. Der Damm ist reich an Nervenenden, empfindsam für Berührung und spielt bei Geburt wie bei sexuellem Empfinden eine Rolle.
De-Armouring
auch: Entpanzerung
Ein Begriff aus der tantrischen Körperarbeit für das behutsame Lösen körperlicher Verspannungen, in denen sich alte Anspannung 'eingelagert' hat. De-Armouring sollte nur von erfahrenen Fachpersonen und mit klarem Konsens begleitet werden; es ersetzt keine Traumatherapie.
Dopamin
auch: Botenstoff des Belohnungssystems
Ein Neurotransmitter, der Antrieb, Motivation und Lustempfinden steuert. Beim Orgasmus und bei angenehmer Berührung steigt der Dopamin-Spiegel.
E
Endorphine
auch: körpereigene Opioide
Körpereigene Botenstoffe mit schmerzlindernder und stimmungshebender Wirkung. Sie werden bei Berührung, körperlicher Nähe und beim Orgasmus ausgeschüttet und tragen zum Wohlgefühl danach bei.
G
G-Punkt
auch: Gräfenberg-Zone
Eine besonders empfindsame Zone an der vorderen Scheidenwand, benannt nach dem Gynäkologen Ernst Gräfenberg. Heute wird sie meist nicht als isolierter 'Punkt' verstanden, sondern als Zusammenspiel von innerer Klitoris, Schwellgewebe und Skene-Drüsen.
K
Klitoris
auch: Clitoris, Kitzler
Ein überwiegend inneres, ausgedehntes Organsystem aus Eichel, Schaft, Schenkeln und Schwellkörpern. Ihre einzige biologische Funktion ist Lust. Eine OHSU-Studie (2022) zählte mindestens 10.281 Nervenfasern – Details unter Weibliche Anatomie.
Klitoriseichel
auch: Glans clitoridis
Der von aussen sichtbare, von einer Vorhaut geschützte Teil der Klitoris – die 'Spitze des Eisbergs' eines viel größeren Organs. Extrem dicht mit Nervenenden versorgt.
Konsens
auch: Consent, Einvernehmen
Die freiwillige, informierte und jederzeit widerrufbare Zustimmung aller Beteiligten. Konsens ist die unverzichtbare Grundlage jeder seriösen Körperarbeit – ohne ihn ist keine echte Entspannung möglich.
Kundalini
auch: Schlangenkraft
Im Tantra eine sinnbildlich am unteren Ende der Wirbelsäule 'ruhende' Lebensenergie, die entlang der Chakren aufsteigen kann. Sie steht für schöpferische Kraft und Bewusstseinsentfaltung.
L
Libido
auch: Sexuelle Lust, Sexualtrieb
Das sexuelle Verlangen eines Menschen. Die Libido schwankt natürlicherweise – beeinflusst von Hormonen, Zyklus, Stress, Lebensphase, Beziehung und Wohlbefinden. Es gibt keine 'richtige' Höhe.
Lingam
auch: Shiva-Symbol
Das männliche Gegenstück zur Yoni in der hinduistischen Symbolik, Zeichen des Gottes Shiva. Yoni und Lingam gemeinsam symbolisieren die Vereinigung weiblicher und männlicher schöpferischer Kraft.
Lubrikation
auch: Natürliche Befeuchtung
Die natürliche Befeuchtung der Scheide, die bei Erregung durch vermehrte Durchblutung und Drüsensekret entsteht. Sie kann je nach Zyklus, Hormonlage, Lebensphase und Stress schwanken; zusätzliches Gleitmittel ist völlig normal.
M
Masters & Johnson
auch: Sexueller Reaktionszyklus
Die Sexualforscher William Masters und Virginia Johnson beschrieben in den 1960ern den 'sexuellen Reaktionszyklus' in vier Phasen: Erregung, Plateau, Orgasmus und Rückbildung. Mehr unter Der weibliche Orgasmus.
Menopause
auch: Wechseljahre, Klimakterium
Die Lebensphase rund um das Ende der Menstruation. Hormonelle Veränderungen können Lubrikation, Libido und Empfinden beeinflussen – achtsame Berührung und Körperwissen können in dieser Zeit besonders wertvoll sein.
Menstruationszyklus
auch: Zyklus, Periode
Der monatliche hormonelle Rhythmus, der Körper, Stimmung, Libido und Empfinden prägt. Ein Bewusstsein für den eigenen Zyklus hilft, körperliche Bedürfnisse besser zu verstehen.
N
Neo-Tantra
auch: Westliches Tantra
Die westliche Strömung ab den 1960er/70er-Jahren, die tantrische Ideen mit Körpertherapie und Achtsamkeit verband. In diesem Rahmen entstand die heutige Yoni-Massage. Siehe Geschichte & Tantra.
O
Orgasm Gap
auch: Orgasmuslücke
Die gut belegte Ungleichheit, dass heterosexuelle Frauen deutlich seltener zum Orgasmus kommen als Männer. Die Ursachen sind überwiegend sozial – und damit veränderbar.
Oxytocin
auch: Bindungshormon, Kuschelhormon
Ein Hormon und Botenstoff, der Nähe, Vertrauen und Verbundenheit fördert. Massage und Berührung erhöhen den Oxytocin-Spiegel messbar (Morhenn et al., 2012).
P
PC-Muskel
auch: Musculus pubococcygeus
Ein zentraler Teil des Beckenbodens, der sich beim Orgasmus rhythmisch zusammenzieht. Gezieltes Wahrnehmen und Training können Empfinden und Körpergefühl unterstützen.
Prolaktin
auch: Hormon der Entspannung
Ein Hormon, das nach dem Orgasmus ausgeschüttet wird und mit dem Gefühl von Sättigung, Entspannung und Müdigkeit in Verbindung steht.
S
Schamlippen
auch: Labia majora / Labia minora
Die äußeren (Labia majora) und inneren (Labia minora) Schamlippen der Vulva. Sie schützen den Scheiden- und Harnröhreneingang. Form, Farbe und Größe variieren stark – und das ist völlig normal.
Scheidenvorhof
auch: Vestibulum vaginae
Der von den inneren Schamlippen umschlossene Bereich, in den Harnröhre und Scheideneingang münden. Besonders empfindsam für Berührung.
Serotonin
auch: Botenstoff des Wohlbefindens
Ein Neurotransmitter, der Stimmung, Schlaf und Wohlbefinden mitreguliert. Massagetherapie kann den Serotonin-Spiegel erhöhen (Field et al., 2005).
Shakti
auch: Devi, weibliche Urkraft
Im Hinduismus die schöpferische weibliche Urkraft, die das gesamte Universum durchströmt. Die Yoni gilt als ihr Symbol und Sitz.
Skene-Drüsen
auch: Paraurethrale Drüsen, weibliche Prostata
Drüsen beiderseits der Harnröhre, die ein PSA-haltiges Sekret abgeben und als Quelle der weiblichen Ejakulation gelten. Auch 'weibliche Prostata' genannt. Mehr unter G-Punkt & Squirting.
Squirting
auch: Abspritzen
Der stoßweise Ausstoß einer größeren, wässrigen Flüssigkeit aus der Blase während sexueller Erregung. Sie besteht überwiegend aus stark verdünntem Urin, oft vermischt mit Sekret der Skene-Drüsen. Ein normales Phänomen – ausführlich erklärt unter G-Punkt, Squirting & Ejakulation.
T
Tantra
auch: Tantrismus
Eine vielschichtige spirituelle Tradition (ab ca. 5./6. Jh. n. Chr.), die den Körper und die Sinne nicht als Hindernis, sondern als Weg zur Erkenntnis begreift. Geistiger Boden der Yoni-Massage – siehe Geschichte & Tantra.
V
Vagina
auch: Scheide
Der dehnbare, muskuläre Kanal (ca. 7–10 cm), der die Vulva mit dem Gebärmutterhals verbindet. Nicht zu verwechseln mit der Vulva, dem äußeren Bereich.
Vegetatives Nervensystem
auch: Autonomes Nervensystem
Das unwillkürliche Nervensystem mit zwei Gegenspielern: dem sympathischen ('Kampf oder Flucht') und dem parasympathischen Ast ('Ruhe und Verdauung'). Lust und Orgasmus brauchen den parasympathischen Zustand von Sicherheit und Entspannung.
Vestibularbulben
auch: Bulbi vestibuli, Schwellkörper
Zwei Schwellkörper aus erektilem Gewebe beiderseits des Scheideneingangs, Teil der 'inneren Klitoris'. Bei Erregung schwellen sie an und steigern das Empfinden.
Vulva
auch: Äußerer Intimbereich
Der gesamte äußere weibliche Intimbereich: Schamhügel, äußere und innere Schamlippen, Klitoris und Scheidenvorhof. Umgangssprachlich oft fälschlich 'Vagina' genannt.
W
Weibliche Ejakulation
auch: Female Ejaculation
Die Abgabe einer kleinen Menge milchig-weißen, PSA-haltigen Sekrets aus den Skene-Drüsen. Wissenschaftlich vom Squirting (größere, wässrige Menge) zu unterscheiden, auch wenn beides gemeinsam auftreten kann.
Y
Yoni
auch: Sanskrit: Quelle, Ursprung
Sanskrit-Wort für den weiblichen Intimbereich, das zugleich 'Quelle', 'Ursprung' und 'heiliger Raum' bedeutet. Die vollständige Wortgeschichte unter Herkunft des Wortes Yoni.
Yoni-Ei
auch: Jade-Ei
Ein kleines Ei aus Stein (oft Jade), das in die Scheide eingeführt wird, um Körperwahrnehmung und Beckenboden zu trainieren. Hinweis: Gesundheitliche Heilsversprechen sind wissenschaftlich nicht belegt; aus hygienischen Gründen ist Vorsicht geboten. Bei Interesse ärztlichen Rat einholen.
Yoni-Massage
auch: Yoni Massage
Eine achtsame, ganzheitliche Körperarbeit, die den weiblichen Intimbereich einbezieht – ohne Leistungsdruck und ohne Orgasmus-Ziel. Ausführlich erklärt unter Was ist eine Yoni-Massage?
Yoni-Steaming
auch: Vaginal Steaming, Bhapara
Das Bedampfen des äußeren Intimbereichs mit Kräuterdampf, eine Praxis aus verschiedenen Traditionen. Hinweis: Für die oft behaupteten gesundheitlichen Effekte fehlt wissenschaftliche Evidenz; zu heißer Dampf kann schaden. Fachlicher Rat ist ratsam.