Sexualforschung & Anatomie

G-Punkt, Squirting & weibliche Ejakulation

Wenige Themen sind so von Mythen umrankt wie diese. Hier trennen wir Fakten von Behauptungen – sachlich, respektvoll und mit Blick auf die aktuelle Forschung.

Zarte Berührung – G-Punkt & Squirting

Vorab, ganz wichtig: Weder der G-Punkt noch Squirting sind ein Ziel, das man 'erreichen' muss. Sie sind Facetten weiblicher Lust – nicht mehr und nicht weniger. Kein Höhepunkt und keine Reaktion macht eine Frau 'richtiger' oder 'weiblicher'.

Der G-Punkt: Mythos oder Zone?

Der Begriff G-Punkt geht auf den Gynäkologen Ernst Gräfenberg zurück, der in den 1950er-Jahren eine besonders erregbare Region an der vorderen Scheidenwand beschrieb. Populär wurde der Name erst später. Seither streitet die Wissenschaft: Anatomische Studien konnten keinen eigenständigen, klar abgegrenzten 'Punkt' als isolierte Struktur nachweisen. Was sich jedoch findet, ist eine besonders empfindsame Zone – und ein plausibler Grund dafür.

Der klitoro-urethro-vaginale Komplex

Die vordere Scheidenwand grenzt unmittelbar an mehrere lustrelevante Strukturen: die inneren Anteile der Klitoris mit ihren Schenkeln, die Schwellkörper, die Harnröhre und die Skene-Drüsen (die sogenannte 'weibliche Prostata'). Viele Fachleute sprechen deshalb heute lieber vom klitoro-urethro-vaginalen Komplex: Der 'G-Punkt' ist demnach kein Organ für sich, sondern der Ort, an dem sich das Empfinden dieser eng benachbarten Strukturen bündelt. Das erklärt, warum Reize an dieser Stelle für viele Frauen intensiv und anders als eine reine Klitorisstimulation wirken.

Der G-Punkt ist vielleicht kein Punkt – aber die Lust, die Frauen dort empfinden, ist real.

Weibliche Ejakulation vs. Squirting

Umgangssprachlich wird beides in einen Topf geworfen, doch die Forschung unterscheidet zwei verschiedene Phänomene, die gemeinsam auftreten können:

Wasserspritzer an einer Grapefruit – Sinnbild für Squirting
Squirting ist ein natürliches Phänomen – oft von Mythen umrankt, selten sachlich erklärt.
Studie 2015

Woraus die Flüssigkeit besteht. Eine oft zitierte französische Studie (Salama et al., 2015) untersuchte den Vorgang mit Ultraschall: Vor der Erregung war die Blase leer, füllte sich während der Stimulation und war nach dem Squirting wieder leer. Die chemische Analyse zeigte, dass die Flüssigkeit im Kern verdünntem Urin entspricht (Harnstoff, Harnsäure, Kreatinin), zugleich aber PSA aus den Skene-Drüsen enthielt.

Salama S et al.: „Nature and Origin of ‘Squirting’ in Female Sexuality“, The Journal of Sexual Medicine, 2015.

Was die Forschung herausfand

Die entscheidende Erkenntnis: Squirting ist ein reales, körperliches Phänomen – keine Erfindung der Pornografie, aber auch kein magischer 'Super-Orgasmus'. Die Flüssigkeit ist weder 'unrein' noch ein Zeichen von Inkontinenz im krankhaften Sinn. Sie ist eine natürliche Reaktion, an der die Blase, die Skene-Drüsen und der Beckenboden beteiligt sind. Der Ausstoß fällt oft, aber nicht zwingend, mit einem Orgasmus zusammen.

Wie häufig ist es?

Verlässliche Zahlen sind schwierig, weil Definitionen und Erhebungsmethoden variieren. Die Spanne ist entsprechend groß: Während frühe Erhebungen (Masters & Johnson) nur wenige Prozent nannten, berichten neuere Befragungen, dass ein erheblicher Teil der Frauen – in manchen Studien über die Hälfte – schon einmal eine squirting-ähnliche Erfahrung gemacht hat. Klar ist damit vor allem eines: Es ist weder besonders selten noch bei allen vorhanden – und beides ist völlig normal.

Warum Entspannung wichtiger ist als Technik

Rund um G-Punkt und Squirting kursieren unzählige 'Anleitungen'. Das Problem: Sie erzeugen oft genau den Leistungsdruck, der Lust im Weg steht. Wie bei jedem Orgasmus gilt auch hier: Erregung entfaltet sich am besten in einem entspannten, sicheren Nervensystem – nicht auf Kommando. Ein häufiger Grund, warum Frauen 'zurückhalten', ist die Angst, es könne sich um Urin handeln. Das Wissen, dass der Vorgang normal und harmlos ist, kann diese Anspannung lösen. Genau hier setzt die Haltung der Yoni-Massage an: kein Ziel, kein Druck, nur achtsames Wahrnehmen dessen, was der eigene Körper von sich aus tut.

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Häufige Fragen

Gibt es den G-Punkt wirklich?

Es gibt eine besonders empfindsame Zone an der vorderen Scheidenwand, die viele Frauen als lustvoll erleben. Ob es sich dabei um einen anatomisch klar abgrenzbaren 'Punkt' handelt, ist wissenschaftlich umstritten. Heute versteht man ihn meist als Zusammenspiel von innerer Klitoris, Schwellgewebe und den Skene-Drüsen – oft 'klitoro-urethro-vaginaler Komplex' genannt.

Ist Squirting dasselbe wie weibliche Ejakulation?

Nein, die Forschung unterscheidet zwei Vorgänge: Die 'weibliche Ejakulation' ist eine kleine Menge milchigen Sekrets aus den Skene-Drüsen, das PSA enthält. 'Squirting' ist der stoßweise Ausstoß einer größeren, wässrigen Flüssigkeit, die überwiegend aus stark verdünntem Urin besteht. Beides kann gemeinsam auftreten und sich vermischen.

Ist Squirting einfach nur Urin?

Nicht ganz. Die Flüssigkeit beim Squirting stammt aus der Blase und ähnelt verdünntem Urin, enthält aber häufig auch PSA aus den Skene-Drüsen. Wichtig: Squirting ist ein normales, gesundes Phänomen – und weder ein Muss noch ein Qualitätsmerkmal für guten Sex.

Kann jede Frau squirten?

Die Angaben schwanken stark – je nach Studie berichten zwischen rund 5 und über 50 Prozent der Frauen von squirting-ähnlichen Erfahrungen. Es ist also weder selten noch universell. Ob es 'klappt', sagt nichts über Lustfähigkeit oder Normalität aus.

Quellen und weiterführende Literatur findest du auf der Seite Studien & Quellen.

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